Hide and Seek: Warum Berufsorientierung eine Menge mit Gefühlen zu tun hat
- 23. März
- 3 Min. Lesezeit

Berufsorientierung scheitert selten an Information
Man kann Jugendlichen sehr viel über Berufe erzählen. Über Wege, Möglichkeiten, Anforderungen.
Aber: Wenn ein junger Mensch sich selbst nicht zutraut, einen Schritt zu gehen, wenn Entscheidungen sich nicht erreichbar anfühlen, wenn die eigene Zukunft diffus bleibt –
dann bleibt all dieses Wissen abstrakt.
Viele Jugendliche stehen nicht vor einem Mangel an Optionen. Sie stehen vor der Frage, ob sie sich selbst in diesen Optionen überhaupt sehen können.
Das zeigt sich in Sätzen wie:
„Ich weiß nicht, was ich kann.“
„Ich will mich nicht festlegen.“
„Bringt ja eh nichts.“
Das ist selten fehlender Wille. Es ist häufig fehlendes Vertrauen in die eigene Wirksamkeit.
Mental health issues
Letzte Woche standen wir als Phase BE-Team auf der didacta 2026 in Köln – gemeinsam mit vielen anderen Sozialunternehmen unter dem Dach des Bundesverbands Innovative Bildungsprogramme.
Viele Gespräche, viel Energie, viele kluge Ansätze. Und ein Thema, das sich immer wieder durchgezogen hat: die psychische Verfassung von Jugendlichen.
Einige Organisationen arbeiten hier sehr explizit – mit einem klaren Fokus auf mentale Gesundheit. Wir selbst beschreiben unser Wirkungsfeld meist anders: als Berufsorientierung für Jugendliche mit Hürden. Und doch bewegen wir uns im Kern im gleichen Feld.
Was das Schulbarometer sichtbar macht
Ein Blick in die aktuellen Ergebnisse des Deutschen Schulbarometers der Robert Bosch Stiftung zeigt ein deutliches Bild:
Viele Jugendliche sind psychisch belastet. Viele erleben Schule nicht als Ort, an dem sie sich wirklich gesehen oder beteiligt fühlen. Und für nicht wenige ist die eigene Lebensqualität eingeschränkt.
Diese Befunde sind keine abstrakten Zahlen. Sie beschreiben eine Realität, die wir in unserer täglichen Arbeit wiederfinden.

Selbstwirksamkeit entsteht nicht im luftleeren Raum
Das Schulbarometer zeigt deutlich, wovon Wohlbefinden abhängt: davon, ob Jugendliche sich gesehen fühlen, ob Anforderungen zu ihnen passen, und ob sie sich als Teil eines sozialen Gefüges erleben.
Wir würden sagen: Das ist die Grundlage von Selbstwirksamkeit.
Gleichzeitig spielen soziale Dynamiken eine große Rolle. Mobbing ist dabei kein Randphänomen, sondern prägt für viele Jugendliche den Alltag.
Was wir in unseren Programmen beobachten: Gruppen sind komplexe Systeme. Rollen sind nicht fest. Dynamiken verschieben sich.
Viele Jugendliche sind damit beschäftigt, überhaupt einen Platz zu finden –und sich in diesem Gefüge als handlungsfähig zu erleben.
Das hinterlässt Spuren:
im Selbstbild
im Auftreten
im Mut, sich zu zeigen
Und genau hier entsteht oder verhindert sich die Fähigkeit, Zukunftsentscheidungen zu treffen.
Was das für unsere Arbeit bedeutet
Die Frage nach der beruflichen Zukunft ist nie rein sachlich.
Sie ist immer auch emotional. Immer auch persönlich. Immer auch ein Stück weit ein Versteckspiel zwischen Möglichkeiten und Selbstbild.
Oder anders gesagt:
Berufsorientierung ist nicht nur die Suche nach einem Weg. Sondern auch die Suche nach dem Zutrauen, ihn gehen zu können.
Berufsorientierung ist mehr als die Vermittlung von Wissen über Wege nach der Schule.
Sie setzt voraus, dass Jugendliche sich selbst als handlungsfähig erleben. Dass sie sich zutrauen, Entscheidungen zu treffen. Dass sie sich in einer Zukunft überhaupt verorten können.
Die eigentliche Frage lautet also nicht nur: „Was willst du werden?“
Sondern: „Traust du dir zu, darauf eine Antwort zu finden?
Ein größeres Bild
Wenn man die Ergebnisse des Schulbarometers vor diesem Hintergrund liest, entsteht ein klareres Verständnis:
Die Herausforderungen, die im Schulbarometer festgestellt wurden,, sind also nicht nur Fragen von Unterricht oder Struktur. Es sind Fragen von Beziehungsfähigkeit und Selbstbild von jungen Menschen und erlebter Wirksamkeit.
Die Gespräche auf der didacta haben uns darin noch einmal bestärkt:
Es braucht starke Ansätze im Bereich psychischer Gesundheit. Und es braucht ebenso Ansätze, die Jugendliche in ihrer Entscheidungsfähigkeit stärken und ihnen ermöglichen, ihren eigenen Weg zu entwickeln.
Wir verstehen unsere Arbeit als Teil dieses größeren Ganzen. Und wollen, dass die jungen Menschen, mit denen wir arbeiten, wich entwickeln, wachsen und gestärkt durchs Leben gehen.



